DAS LIPÖDEM

Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung, die durch eine Fettverteilungsstörung an Beinen und/oder Armen gekennzeichnet ist. Typisch für das Lipödem ist, dass der Rumpf nicht betroffen ist und die Betroffenen starke Berührungsschmerzen an den entsprechenden Regionen haben. Außerdem neigen Betroffene zur vermehrten Bildung von Blutergüssen schon bei Bagatellverletzungen. Im fortgeschrittenen Stadium verursacht bereits enger anliegende Kleidung Schmerzen. Da fast ausschließlich Frauen Lipödeme haben, vermuten Experten hormonelle Ursachen.

Lipödeme treten stets symmetrisch auf. Dabei kommt es zu „säulenartigen“ Veränderungen und Deformierungen der Beine, typisch sind die Reiterhosen an Gesäß und Hüften. Dehnt sich die Erkrankung weiter nach unten aus, spricht man von „Suavenhosen“, da die Deformierungen in der Regel am Fußknöchel enden, das Fett jedoch überlappt. Im Krankheitsverlauf tritt das Lipödem in vielen Fällen kombiniert mit einem Übergewicht im Körperstamm auf.

DIE STADIEN

I

Glatte Hautoberfläche mit gleichmäßig verdickter Unterhaut - wird auch als "Orangenhaut" bezeichnet.

II

Unebene, überwiegend wellenartige Hautoberfläche, knotenartige Struktur in verdickter Unterhaut wird auch als „Matratzenhaut“ bezeichnet.

III

Grobknotige Hautoberfläche mit größeren Dellen, ausgeprägte Umfangsvermehrung mit überhängenden Gewebeanteilen (Wammenbildung).

DIE THERAPIE

Lipödeme können nicht durch Abmagerungskuren bekämpft werden. Eine Gewichtsreduktion in Verbindung mit Sport und Kompressionstherapie erzielt jedoch sehr positive Ergebnisse und kann die Beschwerden lindern. Es ist häufig notwendig, die eigene Esskultur kritisch zu überprüfen. In jedem Fall sollten Patientinnen Gewichtszunahmen vermeiden und bei bestehendem Übergewicht versuchen, dieses zu reduzieren.

Im Alltag der Lipödempatientin ist eine ganzheitliche Therapie mit viel Bewegung, Kompression und einer gesunden, ausgewogenen Ernährung essenziell, um eine Verbesserung der Beschwerden zu erzielen. Die Zonen, die von der krankhaften Fettansammlung betroffen sind und trotz Sport und gesunder Ernährung zurückbleiben, können dann durch eine Liposuktion entfernt werden.

Expertinnen und Experten empfehlen eine kombinierte Therapie aus Kompression, Bewegung und manueller Lymphdrainage, um eine Verbesserung der Beschwerden zu erzielen. Zur konservativen Lipödem-Therapie werden meist flachgestrickte medizinische Kompressionsstrümpfe empfohlen. Diese tragen dazu bei, Symptome wie schwere, geschwollene Beine / Arme oder Schmerzen zu lindern. Sie sollten täglich, auch beim Sport getragen werden.

Kompression:

Ein wesentlicher Bestandteil der Therapie ist das regelmäßige Tragen von medizinischen Kompressionsstrümpfen. Die Kompressionstherapie kann bewirken, dass Schmerzen gelindert werden. In Stadium I können oftmals noch nahtlose, rundgestrickte Kompressionsstrümpfe in Kompressionsklasse 2 (CCL 2) oder Kompressionsklasse 3 (CCL 3) eingesetzt werden. In den meisten Fällen empfehlen Expert*innen aber eine flachgestrickte Kompressionsversorgung.

Die Strümpfe sollten möglichst täglich (auch zum Sport) getragen werden. Das Fachpersonal im Sanitätshaus berät Sie gerne. 

Modische Kompressionsstrümpfe

Sport:

Auch wenn körperliche Bewegung nicht zur Heilung des Lipödems führen kann, ist Sport immens wichtig. Sport sollte immer in Verbindung mit Kompression durchgeführt werden. Der Kompressionsstrumpf bietet ein besseres Widerlager für die Muskulatur und unterstützt den Muskelaufbau. Je mehr Muskulatur wir haben, desto höher ist unser Energieverbrauch. So kann mehr klassisches Körperfett abgebaut werden.

Aber welche Sportarten sind die richtigen, wenn ich ein Lipödem habe? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Denn wichtig ist, das zu tun, was guttut. Ein Tipp für den Anfang: Starten Sie mit moderater Bewegung, z. B. einem Spaziergang. Danach können Sie die Anstrengung je nach Geschmack steigern. Geeignete Sportarten sind zum Beispiel Nordic Walking, Walking, Wandern, Aerobic, Aquajogging und Schwimmen. 

Aerobic-Kurs im Pool

Ernährung:

Zwar sind Lipödeme nicht mit einer Diät zu bekämpfen, zusätzliches Übergewicht wirkt sich jedoch in jedem Fall negativ aus. Häufig kommt es bei einer Gewichtszunahme zu einer deutlichen Vermehrung des Unterhautfettgewebes im Bereich des manifestierten Lipödems. Auf klassische Diäten sollten Lipödempatientinnen aber verzichten und sich stattdessen auf frische und unverarbeitete Lebensmittel konzentrieren. Durch die Umstellung der Ess- und Trinkgewohnheiten können Sie aktiv Ihre Leistungsfähigkeit und Ihr Wohlbefinden steigern. Eine adäquate Lebensmittelauswahl und Verarbeitung sind wichtige Maßnahmen.

Zusammen mit einem Therapiebegleiter oder Ernährungsberater können Sie einen individuellen Therapieplan entwickeln, um Ihr Gewicht zu halten oder moderat abzunehmen. 

Gesunde Ernährung

Liposuktion:

Bei Lipödemen sind zwar Fettabsaugungen (=Liposuktionen) möglich, diese sollten aber ausschließlich von einem erfahrenen Facharzt/ einer erfahrenen Fachärztin durchgeführt werden. Lassen Sie sich deshalb umfangreich beraten, ob Ihr*e Ärzt*in die entsprechende Zusatzausbildung besitzt. Derzeit werden in schweren Fällen eines Lipödems (Stadium III) die Kosten für eine Fettabsaugung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Grundsätzlich gilt aber, dass die Kosten einer Fettabsaugung des Lipödems im Stadium III erst dann übernommen werden können, wenn der BMI (Body-Maß-Index) der Patientin unter 35 liegt und zuvor eine konservative Therapie nicht zur Linderung der Beschwerden geführt hat. Diese muss mindestens sechs Monate lang durchgeführt worden sein.

Operation