DAS LYMPHÖDEM

Das Lymphödem ist eine chronische Erkrankung. Wenn die Funktion des Lymphgefäßsystems gestört ist und die Lymphflüssigkeit nicht mehr richtig abtransportiert werden kann, sammelt sie sich im Gewebe und es kommt zu einer Art Stau. Die Folge ist eine schmerzlose Schwellung – das sogenannte Lymphödem.

Die Fachwelt unterscheidet zwei Arten von Lymphödemen: das primäre und das sekundäre Ödem. Sind Störungen des Lymphsystems angeboren, spricht man von einem primären Lymphödem. Treten die Beschwerden jedoch in Folge von Operationen, Bestrahlung, Infektionen oder Verletzungen auf, bezeichnet man diese als sekundäre Lymphödeme.

Häufig ist ein Bein oder ein Arm betroffen. Manchmal beeinflusst das Ödem aber auch mehrere Bereiche und zum Beispiel auch Gesicht, Körperstamm und/oder Genitalbereich. Nur ein Experte kann feststellen, ob Sie tatsächlich an einem Lymphödem leiden oder nicht. In der Regel kann ein Facharzt anhand Ihrer bisherigen Krankengeschichte und durch gründliche Untersuchungen (Sicht- und Tastuntersuchung) feststellen, um welche Art von Ödem es sich handelt. In seltenen Fällen, zum Beispiel bei einem unklaren Krankheitsbild oder zum Ausschluss durch Tumore bedingte Ödeme, setzt der Arzt/die Ärztin auch Technologien zur Visualisierung ein.

DIE STADIEN

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Die Lymphgefäße sind zwar schon geschädigt, es tritt aber noch keine sichtbare Schwellung auf.

I

Im Laufe des Tages können Schwellungen auftreten, die sich durch Hochlagerung oder über Nacht wieder zurückbilden.

II

Die Schwellung wird dauerhaft und es zeigen sich erste Verhärtungen des Gewebes.

III

Es zeigen sich neben sehr starken Schwellungen auch Hautveränderungen wie Bläschen oder Fisteln.

DIE THERAPIE

Weshalb ist die richtige und konsequente Therapie bei diesem Krankheitsbild so entscheidend? Weil nur so das Lymphödem reduziert und das Ergebnis dauerhaft gehalten werden kann.

Die konsequente Therapie bewirkt z. B. das Abfließen von Lymphflüssigkeit, das Auflösen von Verklebungen im verhärteten Bindegewebe und das Aktivieren des Lymphgefäßsystems.

Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) besteht auf 5 Säulen:

1.  Hautpflege:

Die Therapie beginnt mit der gründlichen Hautpflege, bei der eventuell vorhandene Hauteinrisse behandelt werden. Wichtig ist stets eine konsequente Pflege und Hygiene der Haut, um Infektionen sowie Risse zu vermeiden und einem Austrocknen der Haut vorzubeugen. Die notwendige Kompressionsversorgung beeinträchtigt die Hauteigenfettung zusätzlich. Achten Sie darauf, ausschließlich pH-neutrale, seifenfreie Seifen und Cremes zu verwenden, um den wichtigen Säureschutzmantel der Haut stetig aufrechtzuerhalten. Ureahaltige Pflegeprodukte haben sich dabei bewährt. Ihr Sanitätshaus oder Ihre Apotheke beraten Sie gern.

Hautpflege für Kompressionsstrumpfträger

2.   Manuelle Lymphdrainage (MLD):

Sie ist zentraler Bestandteil der Entstauungstherapie und keinesfalls mit einer herkömmlichen Massage zu vergleichen. Durch kreisförmige Bewegungen in Kombination mit bestimmten Pump-, Schöpf- und Drehgriffen regt der Therapeut/die Therapeutin die Lymphgefäße an. Flüssigkeit kann auch aus dem ödemreichen Gebiet in funktionelle Gebiete verschoben und dort vom Lymphgefäßsystem aufgenommen werden. Verhärtetes Bindegewebe wird gelockert. Die MLD hat ohne Kompression zwischen den Drainageintervallen keinerlei nachhaltige Wirkung und sollte daher stets in Verbindung mit Kompression stattfinden.

Hier finden Sie eine Liste der Physiotherapeut*innen unseres Netzwerks.

Physiotherapiepraxis

3.  Kompressionstherapie:

Kompression bildet sowohl während der Entstauung (= Phase I der KPE) als auch im Rahmen der Erhaltung (= Phase II der KPE) die Basis für eine erfolgreiche Entödematisierung. In der Phase I erfolgt die Kompressionstherapie in der Regel mithilfe von lymphologischen mehrlagigen Wechselverbänden oder medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK).

In der Phase II wird in der Regel ein maßgefertigter flachgestrickter medizinischer Kompressionsstrumpf eingesetzt.

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Kompressionsstrümpfe in verschiedenen Farben

4.  Bewegung und Ernährung:

Je nachdem, welche Körperteile von einem Lymphödem betroffen sind, haben Experten unterschiedliche Gymnastikprogramme entwickelt, die mit Kompressionstherapie durchgeführt werden sollen. Außerdem hilft eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung bei der Erhaltung des Therapieerfolges.

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Nordic Walking

5.  Selbstmanagement:

Die Therapie steht und fällt mit der Mitarbeit des Patienten/der Patientin. Daher ist es wichtig, dass das Behandlungsteam aus Ärzt*innen, Therapeut*innen und Fachhandel den Patienten/die Patientin über Sinn und Zweck der medizinischen Kompressionstherapie aufklärt und in deren richtige Handhabung einweist. Dies ermöglicht es dem Patienten/der Patientin zu erkennen, wie wichtig das konsequente Tragen der medizinischen Kompression sowie eine regelmäßige Hautpflege und Bewegung für den Erfolg der Therapie sind. So wird ein Teil der Verantwortung auf den Patienten/die Patientin übertragen – und das macht ihn/sie unabhängiger.

Spaß mit Kompression